Der Saal ist voll
besetzt mit Gemeindemitgliedern, Jung und alt sind versammelt. An der Wand
sind große Transparente angebracht. Darauf ist deutlich zu lesen, was die
Ministranten von den Plänen der Bistumsleitung halten,
Corpus Christi - so wie 80 andere Kirchen in der Diözese - zu schließen.
Martin Wrasmann, für die Strukturentwicklung zuständiger Referent, war
kurzfristig der Einladung des Pastoralrates zu einer Sondersitzung gefolgt,
um die Hintergründe, die zu der Entscheidung der Bistumsleitung geführt
haben, zu erläutern. In diesen Wochen ist Wrasmann zusammen mit weiteren
Vertretern der Bistumsleitung nahezu täglich in den Dekanaten und Gemeinden
unterwegs, um den Gremien Rede und Antwort zu stehen und den
Diskussionsprozess zu begleiten.
Kurz geht Wrasmann
auf die allgemeinen Fakten ein, die dazu geführt haben, dass die
Bistumsleitung einen strikten Sparkurs verfolgen muss und dass nun - nach
Kürzungen im Personalbereich und bei den allgemeinen Zuweisungen - auch die Immobilien
und Kirchen auf dem Prüfstand stehen. Doch die versammelten
Pastoralrats- und Gemeindemitglieder sind viel mehr daran interessiert zu
erfahren,
warum ausgerechnet die Corpus Christi Kirche in Kategorie "C2", das heißt
als zu schließende Kirche, eingestuft wurde. Auch dass St. Maria Regina in
Kategorie "B" auftaucht und demnach weiter beobachtet werden soll, stößt
auf Unverständnis.
Beruhigen kann
Wrasmann fürs Erste die Katholiken aus Berenbostel. Die Kategorie B heißt,
dass zunächst alles beim Alten bleibt und in zehn Jahren erneut überprüft
wird, wie sich die pastorale Situation entwickelt. Die Kategorie B bedeute
nicht, dass eine solche Kirche in ihrem Bestand bedroht ist.
Für Corpus Christi
sieht das allerdings anders aus. Nach Ansicht der zuständigen Planer
"reichen zwei Kirchen für eine Gemeinde von der Größe Garbsens auf längere
Sicht aus." Aufgrund der Nähe zur nächsten Kirche und der Größe des
Kirchenstandortes treffe es die Kirche in Havelse. Dass Havelse ein
lebendiger Kirchenstandort mit aktiven Gruppen, zahlreichen Ministranten und
Nachwuchs an geistlichen Berufen ist, betonten die Anwesenden. Mit der Kategorisierung
der Kirche ist in keinster Weise ein Urteil über die Qualität des
Gemeindelebens verbunden, beteuert Wrasmann. Doch damit erntet er massiven
Widerspruch. Die Kränkungen sitzen tief. Die Gemeinden mussten in den
letzten Jahren vieles einstecken: Personalkürzungen, die Fusion der
Gemeinden, den Abriss der Kirche St. Johannes. Und nun die drohende
Schließung der Kirche. Abfinden möchte sich niemand mit diesem Gedanken.
Wrasmann warb um
Verständnis, dass in der derzeitigen Lage der Kirche auch schmerzhafte
Schritte nötig seien. Und für diesen Prozess sei das Bistum mit
ihrem vorläufigen Verwaltungsvorschlag in die Vorlage gegangen - auch um
die Gemeindegremien und die Pfarrer zu schützen, denen nicht zuzumuten sei,
ihre eigene Kirche zur
Schließung vorzuschlagen. Dass es bei der Information der Gemeinden zu
Pannen gekommen sei, räumt er er ein. Doch vom Ziel, sich von einem Teil der
Kirchen zu trennen, rückt die Bistumsleitung nicht ab. Und manche scheinen
einzusehen, dass etwas geschehen muss. "Aber nutzen Sie die Kreativität in
den Gemeinden, die sich für ihre Kirchen einsetzen wollen, ansonsten
verliert die Kirche noch mehr Mitglieder!" wird der Referent aufgefordert.
„Die
Bistumsleitung hat auf dem Stand ihrer Kenntnisse die Vorschläge
unterbreitet. Mit dem jetzt eingeleiteten Diskussionsprozess haben die
Gemeinden die Gelegenheit, ihre besseren Kenntnisse von der Situation vor
Ort einzubringen." Damit warb Wrasmann für einen Dialogprozess, der auf der
Ebene der Dekanate geführt werden solle.
„Gibt es die
Chance, die sofortige Schließung von Corpus Christi zu verhindern?“ So
lautete gegen Ende der Veranstaltung die Frage einer Teilnehmerin. Darauf
forderte Wrasmann auf, die Argumente zu sammeln und konstruktive Vorschläge
einzubringen. Die Antwort kurz und bündig: "Ja". Und - auch für
"C2-Kirchen", die noch nicht geschlossen würden, wolle man die Gemeinden
finanziell nicht im Regen stehen lassen. Für die Gemeinde bedeutet dies nun,
sich zusammenzusetzen und miteinander für die nächsten Jahre ein Konzept zu
entwickeln, wie Corpus Christi im Verbund mit den anderen Kirchen in Garbsen
zu halten ist.
Artikel über
die Sondersitzung in der Leine-Zeitung
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