Gedenkwallfahrt nach Bergen-Belsen
Erwachsene
und auch einige der Jugendlichen, die am kommenden Samstag gefirmt werden,
machten sich am Sonntag, den 13. September aus der Garbsener katholischen
Großgemeinde St. Raphael auf den Weg nach Bergen-Belsen.
Bergen-Belsen war seit 1941 ein Gefangenenlager für russische Soldaten, die dort
einfach eingezäunt wurden und ohne Dach über dem Kopf und mit nur wenig Nahrung
nach und nach starben. Sie gruben sich Erdhöhlen zum Schutz.
Von den 20 000 dort eingelieferten Soldaten starben im Winter 1941/42 bereits 14
000 Männer.
Menschen, die in der Umgebung wohnten und das alles sahen reagierten sehr
unterschiedlich. Besonders betroffen machte mich die Aussage eines Mannes der
erzählte, wir haben das alles unseren Kindern gezeigt und ihnen erklärt, sie
sollen sich genau ansehen, was ihnen blühen würde, wenn die Sowjets an die Macht
kämen. Dafür sahen sie die Soldaten sterben.
1943 wurde Bergen-Belsen zum Konzentrationslager, in dem viele Tausend Menschen
umkamen. Es wurde zynisch als „Erholungslager“ bezeichnet, weil dort kranke
Häftlinge aus anderen KZs untergebracht wurden.
Heute sind dort nur noch Massengräber zu sehen und Mauerreste, die Jugendliche
während eines Feriencamps ausgegraben haben.
Die Heide blüht und Birken lassen ihre Blätter im Wind rauschen. Wenn man nicht
genau wüsste, was sich dort abgespielt hat, könnte man froh durch die Natur
spazieren.
So allerdings, geht man nachdenklich, unfassbar und oft stumm über die Wege.
Wir besichtigten dort zunächst das neue Dokumentationszentrum, das bei jedem
Menschen tiefe Eindrücke hinterlässt. Hier kommen in Film und Bild ehemalige
Häftlinge des Konzentrationslagers zu Wort. Sie erzählen ihre Lebensgeschichten
und begleiten so die Besucher durch die Dauerausstellung. Am Ende haben für
jeden die vielen Toten, die es zu beklagen gibt, eine Stimme und ein Gesicht.
Dokumente, der in Bergen-Belsen eingepferchten russischen Kriegsgefangenen
füllen eine lange Wand. Fast alle Soldaten sind durch Krankheit, Schwäche oder
Kopfschuss dort gestorben. Man kann das auf den Karteikarten nachlesen.
Mit diesen Eindrücken machten sich heute alle auf den Weg zu einem Gottesdienst,
den der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle gemeinsam mit vielen Priestern am
großen Holzkreuz feierte.
Gleichzeitig waren heute einige Überlebende des Konzentrationslagers vor Ort.
Mit ihnen begingen wir eine jüdische Feierstunde am Denkmal für die vielen
ermordeten Juden des Lagers.
Eine Gruppe polnischer Pilger war auch unterwegs und mit dieser nahmen wir an
einer Kranzniederlegung am großen Kreuz teil. Das Kreuz wurde an der Stelle
errichtet, an der polnische Frauen am Tag ihrer Befreiung aus Birkenstämmen ein
einfaches Kreuz aufstellten.
Betroffen waren auch alle wieder vom Schicksal Anne Franks, die in diesem Jahr
80 Jahre alt geworden wäre. Ein Grabstein trägt ihren und den Namen ihrer
Schwester.
Aus ihrem Tagebuch zitierte Bischof Norbert Trelle während der Predigt.
Wenn ich diesen Tag beschreiben sollte, könnte ich nur sagen, dass er mich sehr
berührt und mit meinem eigenen Schicksal versöhnt hat. Was habe ich zu klagen im
Angesicht so viel Leids? (Elisabeth Patzal)
Diesen Bericht mit
vielen Fotos finden Sie auf
"myheimat.de".
Einen weiteren Bericht
auf der Homepage der
kath-kirche-hannover.de
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