Geschichte der Gemeinde St. Maria Regina in
Garbsen-Berenbostel
In der Gründungsurkunde des Augustinerinnenklosters Marienwerder von 1196 wird
Berenbostel mit “Bardingeburstelle” überliefert. Mit dieser Urkunde wurde
nachträglich der klösterliche Besitz umschrieben, mit dem Graf Konrad I. seine
Stiftung bedacht hatte. So waren fünf Hufen gräflichen Landes in Berenbostel
im Besitz der Augustinerinnen. Ebenso übertrug der Graf seine Eigenkirche St.
Martin in Engelbostel dem Kloster. Engelbostel und Berenbostel waren Siedlungen,
die um das Jahr 800 entstanden waren. Sie waren gegen die feuchten Niederungen
und den Geestrand in der Leineau angelegt worden. Die Bewirtschaftung der
Ackerflächen war deshalb schwierig. Die Siedlungen bestanden zunächst aus drei
bis sieben Höfen. Später nutzte man im Geestgebiet die Heideflächen für
Weidezwecke und zur Honiggewinnung. Die Ränder der Moore erlaubten den
Torfstich und die Niederungsmoore Gras- und Heuernte. Als Schwerpunkte der
Siedlungen entstanden im 9.–10. Jahrhundert Großhöfe. Berenbostel wurde
Vogteisitz, dem die gleichnamige Siedlung und Stelingen angehörten. Im
Marstemgau verwalteten und regierten die Grafen von Roden die Vogtei
Berenbostel. Diese wurde nach ihrer welfischen Besitznahme 1333 dem Amt
Ricklingen unterstellt.
Die Grafen von Roden hatten ihrer Stiftung, dem Kloster Marienwerder,
umfangreichen Grundbesitz in Berenbostel übertragen, so daß der
Augustinerinnenkonvent bald größter Grundherr der naheliegenden Siedlung war.
Da Berenbostel eine kleine, nur aus vereinzelten Bauernhöfen bestehende,
Siedlung war, verfügte es über kein eigenes Gotteshaus. Ihre Siedler waren
vielmehr zur St.-Martins-Kirche in Engelbostel eingepfarrt. Seit 1196 verfügten
die Augustinerinnen über die Patronatsrechte der gräflichen Parochialkirche in
Engelbostel; 1329 gelangten sie wieder an das Grafenhaus. Die Engelbosteler
Pfarrkirche war dem Archidiakonat Pattensen mit der Haupt- und Taufkirche St.
Lukas unterstellt worden.
Die Pfarrzugehörigkeit der Berenbosteler Bauern zu der St.-Martins-Kirche in
Engelbostel blieb auch nach der Einführung der Reformation 1542/43 bestehen.
Ein ev. Gotteshaus erhielt die Gemeinde erst im 20. Jahrhundert. Mit der preußischen
Landkreisordnung von 1885 gliederte man Berenbostel dem Landkreis Neustadt a.
Rbge. ein. Während dieser Zeit war es mit Ackerbau- und Viehzucht noch
ausschließlich landwirtschaftlich geprägt. Erst um die Jahrhundertwende kamen
vom benachbarten Hannover und Linden Impulse zur Industrialisierung. Durch die
Tonlager in der Leinemasch entstanden Ziegeleien. In Berenbostel wurden vier
Dampfziegeleien angelegt; ihre Tongruben werden heute als Naherholungsseen
genutzt. Anfangs hatte es sich bei der Ziegelherstellung um eine Nebenbeschäftigung
bäuerlicher Betriebe ge-handelt. Bald entwickelte sich jedoch fabrikmäßige
Nutzung in den Flemmigschen Ziegeleien, wo von Mai bis September etwa 180
Ziegeleiarbeiter Beschäftigung fanden. Als Saisonarbeiter kamen sie aus
Pommern, Posen, Ostpreußen, Schlesien sowie aus dem Lipper-Land und dem
Eichsfeld. In sog. “Ziegelkasernen” wurden sie in Berenbostel untergebracht.
Viele von ihnen waren kath. Glaubens. Ebenso die polnischen Landarbeiter oder
die Kanalbauarbeiter, die vor dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) den
Mittellandkanal anlegten. Da sie nur während der Dauer ihrer Beschäftigung in
Berenbostel wohnten, konnten sie in der kirchlichen Gemeindestatistik nicht erfaßt
werden. 1885 hatten 17 kath. Christen in Berenbostel ihren festen Wohnsitz. Die
seelsorgliche Betreuung hatten seit 1902 die Kapläne der St.-Benno-Gemeinde in
Linden übernommen, dann die Geistlichen im benachbarten Seelze. Kath.
Gottesdienst hielt man seit 1911 in Seelze. Die Betreuung der Kanalbauarbeiter
in den Barackenlagern bei Kolenfeld, Dedensen und Lohnde wurde 1911 einem aus
der Erzdiözese Gnesen stammenden polnisch sprechenden Kaplan übertragen. Nach
dem Ersten Weltkrieg waren die Ziegeleien Grundlage der Bauindustrie. Ihre
Auftragslage hatte sich deutlich verbessert, ihre Produktion ganzjährig
ausgeweitet. Infolgedessen bildete sich eine qualifizierte Stammbelegschaft
heraus, die angelernten Saisonarbeitern kaum noch Beschäftigungsmöglichkeiten
bot. Auch der Mittellandkanalbau war zwischenzeitlich abgeschlossen worden, so
daß nach 1918 nur noch vereinzelt Katholiken in Berenbostel und Umgebung
lebten.
Auf dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise von 1929 mußten die Ziegeleien in
Berenbostel stillgelegt werden; 1931 waren fünf Millionen Deutsche arbeitslos.
Die Arbeitslosenquote konnte die nationalsozialistische Regierung nach 1933
infolge ihrer militärischen Aufrüstung mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
senken. So auch im Garbsener Raum, wo die Flugplätze in Evershorst und Wunstorf
in den Jahren 1935 bis 1936 angelegt und die Autobahn Berlin-Dortmund 1936 bis
1938 gebaut wurde. Die Ost-West-Autobahn, die durch Garbsener Gebiet führt, war
eine der wichtigsten Truppen-Rollbahnen im Zweiten Weltkrieg (1939–1945). In
den Berenbosteler Ziegeleien wurde damals die Produktion stark ausgeweitet. Nach
1939 zog man auch hier Kriegsgefangene und Fremdarbeiter zur Arbeit heran.
Zahlreiche Polen, Russen und Franzosen waren in Berenbostel interniert.
Während die Gemeinde bei Kriegsausbruch 997 Einwohner gezählt hatte, waren es
1950 bereits 2 290. Denn der große Strom von Flüchtlingen und
Heimatvertriebenen hatte auch Berenbostel und das benachbarte Meyenfeld
erreicht, wo zahlreiche Katholiken Unterkunft fanden. Insgesamt lebten damals über
2000 heimatvertriebene Schlesier, hauptsächlich aus den Kreisen Frankenstein,
Neisse und Waldenburg, im Nordgebiet der Kuratiegemeinde Seelze. Ihr
Seelsorgesprengel umfaßte die Gemeinden Berenbostel, Frielingen, Heitlingen,
Horst, Meyenfeld, Osterwald OE und UE und Stelingen, die man 1947 zur kath.
Pfarrvikarie Meyenfeld zusammenfaßte. Der erste in Meyenfeld ansässige
Seelsorger war ebenfalls ein heimatvertriebener Schlesier. Er wohnte in einer Flüchtlingswohnung
in Meyenfeld und hielt Gottesdienst im hiesigen Gasthaus sowie in den ev.
Kirchen in Horst und Osterwald OE. Als die Industriebetriebe im benachbarten Stöcken
die Produktion wieder aufnahmen, fanden hier zahlreiche Katholiken Beschäftigung.
Andere waren nach Hannover oder in die Industriezentren des Westens gezogen.
Dementsprechend sank die Katholikenzahl in den ersten Nachkriegsjahren geringfügig
auf 1 800.
Nach dem Kauf eines Baugrundstückes in Berenbostel wurde hier 1954 die kath.
St.-Maria-Regina-Kirche erbaut. Da das Gotteshaus seelsorglicher Mittelpunkt der
Gemeinde war, wurde der Sitz der Pfarrvikarie von Meyenfeld nach Berenbostel
verlegt. Anschließend siedelten viele Katholiken aus den umliegenden Dörfern
nach Berenbostel über. Von hier aus waren die Industriebetriebe in Stöcken gut
zu erreichen. Das Heimatwerk Hannover förderte die Anlage von Wohnsiedlungen.
Die sich bildende Gemeinde bestand über 95 % aus Heimatvertriebenen und Flüchtlingen.
Bereits 1956 wurde die 1 750 Katholiken zählende Vikarie zur Kirchengemeinde
erhoben. Ihr Seelsorgesprengel umfaßte aus dem Landkreis Neustadt a. Rbge. die
Ortschaften Berenbostel, Frielingen, Horst, Meyenfeld, Osterwald-Oberende,
Osterwald-Unterende und Stelingen sowie aus dem Landkreis Hannover den Ort
Heitlingen. Der Ausbau der gemeindlichen Infrastruktur hatte die Entwicklung von
Berenbostel wesentlich gefördert. Es verfügt im Osten über eine Anbindung an
den Flughafen Hannover-Langenhagen und die Autobahn Berlin–Dortmund sowie im Süden
über einen Anschluß an den Mittellandkanal. Dies war mit Voraussetzung für
die Schaffung zweier Gewerbegebiete, nach der Aufgabe der Ziegeleibetriebe Ende
der 60er Jahre. Im Jahre 1966 zählte Berenbostel bereits 10 750 Einwohner;
knapp 3 000 von ihnen waren kath. Konfession. St. Maria Regina erhielt 1970
Pfarreistatus. Nachdem man Berenbostel und die zur Pfarrgemeinde gehörenden
Ortschaften 1974 mit der Stadt Garbsen vereinigt hatte, zählte es allein über
16 500 Einwohner. Auch in den sieben weiteren Gemeinden, die der Pfarrei
angeschlossen waren, stieg die Einwohnerzahl auf ca. 14 000. St. Maria Regina
betreute 1984 ca. 5 000 Katholiken. In Berenbostel wohnten damals ca. 2 800 und
in den anderen Ortsteilen ca. 2 200. Da die 1954 erbaute Kirche für die Anzahl
der Gemeindemitglieder nicht mehr ausreichend war, wurde 1973 das neue
Kirchenzentrum St. Maria Regina im Osten von Berenbostel errichtet. Auf dem
Grundstück der alten Kirche erbaute 1979 das Heimatwerk Hannover 26
Altenwohnungen. Eine Gemeindeschwester wurde angestellt, die in der
Sozialstation der Stadt Garbsen die Katholiken der Pfarrei St. Maria Regina
betreute. Zwei Bauplätze für Filialkirchen erwarb man in Osterwald und Horst.
Die rege Bautätigkeit hielt weiterhin an. Anfang der 80er Jahre entstanden so
die Siedlungsgebiete Horst-Ost und Meyenfeld-Süd; in Osterwald stieg die
Einwohnerzahl von 5 000 auf 6 000. Neben der zweiten Generation von
Heimatvertriebenen leben heute in der Kirchengemeinde Katholiken aus dem
hannoverschen Bereich oder aus dem europäischen Ausland (Italien, Spanien und
dem ehemaligen Jugoslawien etc.).
Durch den Stadtteil Garbsen-Mitte wurden Berenbostel und Alt-Garbsen eng
miteinander verbunden. Beide sind heute Wohngemeinden mit industrieller Prägung.
In Berenbostel nahmen zahlreiche sozial schwache Familien ihren Wohnsitz.
Naherholungseinrichtungen (Berenbosteler See) sind vorhanden. Seit 1989 wurden
in Berenbostel, Heitlingen und Osterwald OE, wahrscheinlich durch den Zuzug von
Aus- und Übersiedlerfamilien, steigende Katholikenzahlen festgestellt.
2004 wurde die Gemeinde durch die Fusion der drei katholischen
Gemeinden in Garbsen teil der neu gegründeten St. Raphael-Gemeinde.
Quelle: Handbuch der Diözese Hildesheim