Jugendkreuzweg 2011 erfordert Perspektivwechsel
Jugendliche, egal ob evangelisch, katholisch oder einem
anderen - oder gar keinem Glauben angehörig - sind am Freitag, 8. April,
eingeladen zum ökumenischen Jugendkreuzweg. Er beginnt um 18 Uhr in der
katholischen Kirche Corpus Christi in Garbsen-Havelse, Nordenkamp 15.
Evangelische und katholische Jugendliche werden diesen
Kreuzweg gestalten. Helfen werden dabei
ausdrucksvolle Bilder, tiefgehende Texte und berührende Musik. Thema ist der
schwere Weg, den Jesus bei seiner Kreuzigung gehen musste. Dabei werden wir
nicht bequem in der Kirche sitzen bleiben, sondern und selbst auf den Weg
machen durch die Straßen unserer Stadt. Mit einem Kreuz. Das klingt
merkwürdig. Ist es auch. Ein nicht alltäglicher Weg. Kein leichter und
bequemer weg. Aber ein lohnender. Ein Weg zu uns selbst, zum anderen und zu
Gott.
Unterwegs werden wir an einzelnen Stationen an den Weg
Jesu denken und daran, was sein Weg mit unseren Wegen zu tun hat. Wir
versuchen, mit seinen Augen zu sehen, seine Perspektive einzunehmen und
dadurch unseren Blick zu verändern.
Unser Ziel ist die evangelische
Willehadi-Kirche (Auf der Horst), Orionhof 5 - direkt neben St. Raphael. Zum
Abschluss gibt es eine Stärkung mit Essen und Trinken. Ende ist gegen 20
Uhr.
Vorbereitet wird der Jugendkreuzweg von
Firmbewerber/-innen und Konfirmand/-innen aus Garbsener Kirchengemeinden.
Die musikalische Gestaltung liegt bei der Jugendband "Elija´s Cave" und dem
Konfi-Chor unter Leitung von Robin Weiland.
Was ist überhaupt ein Kreuzweg?
"Kreuzwege" gehören zur Grundausstattung jeder
katholischen Kirche: Es sind eine Reihe von Bildern, Reliefs oder
Skulpturen, auf denen die verschiedenen Stationen des Leidensweges Jesus
dargestellt sind. Mal sind diese Darstellungen abstrakt, mal sehr konkret.
Von der Verurteilung durch Pilatus, das Kreuz tragend oder unter seiner Last
zusammenbrechend. Begegnungen mit Menschen, die Weinen und Trauern oder
helfend zupacken, aber auch mit Menschen, die Spotten und Zuschlagen.
Besonders in der Fastenzeit wird der schwere Weg Jesu betrachtet und
gebetet.
Seit über 50 Jahren gibt es auch den ökumenischen Kreuzweg
der Jugend. Jedes Jahr gibt es neue Themen, Bilder und Versuche, den Weg
Jesu in seiner Bedeutung für junge Menschen heute zu verstehen und zu
übersetzen. In Garbsen gehen wir schon seit einigen Jahren den Kreuzweg in
guter Zusammenarbeit der Kirchengemeinden.
Zu den Bildern des Jugendkreuzwegs
Sie sind schrill, sie sind außergewöhnlich und sie fordern heraus – die 24
großformatigen Bilder, die der Adelschlager Theologe und Künstler Stefan
Weyergraf, gen. Streit, zum Leidensweg Jesu gestaltet hat. Und sie sind
ungewöhnlich und einzigartig in der abendländischen Kunstgeschichte, denn
der Betrachter nimmt gänzlich Jesu Sicht auf das Geschehen ein. Er verfolgt
Szene um Szene durch die Augen Jesu, und das so konsequent, dass sich auch
das Bildmotiv mit seinem Blick verändert, neigt, kippt. Die gewohnte Sicht
ist verschoben, verdreht, die Perspektive völlig umgekehrt. Somit sieht der
Betrachter Jesus nicht, weil er seinen Standpunkt einnimmt. Das irritiert,
fordert dazu heraus, sich „umzusehen“, „umzudenken“, seinen Kopf „zu drehen“
und sich neu in das Bildmotiv hineinzusehen. Dieser Perspektivwechsel holt
ihn aus der Rolle des distanzierten Beobachters heraus und mitten hinein in
die dargestellte Szenerie. Das provoziert die eigene Standortbestimmung: auf
wessen Seite stehe ich tatsächlich?
Acht Bilder aus diesem Zyklus sind für den Jugendkreuzweg
ausgewählt worden. Sie bilden Grundlage der Betrachtungen, Texte und Gebete
des Jugendkreuzweges.